LA GRANDE DAME DER VERSICHERUNGSBRANCHE

DIE VERTRIEBSPARTNERIN ANTOINETTE ELSIG (78) ERZÄHLT

Seit über 38 Jahren ist Antoinette Elsig aus Siders als Vertriebspartnerin in der Versicherungsbranche tätig – darunter 27 Jahre als selbstständige Unternehmerin. Im Bericht gibt die emanzipierte und kämpferische Kommunikatorin Einblicke in ihre persönliche Erfahrungsschatztruhe.

In nahezu vier Dekaden hat die 78-Jährige viel erlebt. In ihrer erfolgreichen Karriere als selbstständige Vertriebspartnerin musste die gebürtige Bernerin auch Vorwürfe über sich ergehen lassen – und Schicksalsschläge hinnehmen. Trotzdem hat Antoinette Elsig nie ihren Humor verloren, ebenso wenig ihre Leidenschaft für den Beruf.

Antoinette Elsig (aussen rechts) mit ihrer Familie im Automobilmuseum Brüssel

Königlicher Name, starke Frauen

Antoinette und ihr Bruder sind Kinder der Nachkriegszeit. Der Vater war Offizier im Militär, die Mutter liess sich sehr früh von ihrem Vater scheiden. Als alleinerziehende Frau Ende der 1940er-, Anfang der 1950er-Jahre war es im Berner Oberland nicht einfach. Antoinettes Mutter gab dem Mädchen den Namen der Erzherzogin Marie-Antoinette, weil sie starke Frauen bewunderte. Man nannte sie als Kind aber immer nur Antoinette. Die Mutter war vernarrt in die französische Königin. Frau Elsig erklärt: «Frauen, die im Leben kein Glück haben, stellen Forderungen. Ich habe immer Frauen bewundert, die sich wehren, die etwas waren, die etwas zu sagen haben. Diese drei Dinge sind mir wichtig!» Als Jugendliche und junge Erwachsene war Antoinette keine «Einfache». Sie stellte sich oft quer, ihre Mutter litt darunter, denn sie war katholisch. Sie lacht: «Aber ich wollte leben!» Beeindruckend zu wissen: Antoinette lebte und arbeitete 1960 für eineinhalb Jahre in London und machte 1962 die Rekrutenschule, als 20-Jährige! Sie meldete sich freiwillig zum Militär und arbeitete dort in der Betreuung. Ihren Namen trägt Antoinette also zu Recht.

Einstieg in die Versicherungsbranche

Antoinette Elsig heiratete ihren ersten Mann 1964 und im Jahr 1968 zogen sie nach Martigny. «Sprachlich totales Neuland, aber es war eine sehr interessante Zeit», stellt sie fest. Gemeinsam waren sie 19 Jahre verheiratet. Nach der Scheidung arbeitete sie für eine Rechtsschutzfirma. Sie erklärt: «Da ich den Kontakt zu Menschen sehr geniesse und ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehe, war der Einstieg in diesen Beruf perfekt für mich. Zu meiner selbstständigen Tätigkeit kam ich, weil ich zuschauen musste, wie Generalagenturen abgebaut wurden, wie die Beraterinnen und Berater immer mehr unter Druck gerieten. Druck ist aber das falsche Mittel, um Versicherungen anzubieten.» So entschied sie sich vor über 27 Jahren für ihr eigenes Unternehmen.

Via Deutschland zur selbstständigen Brokerin

Frau Elsigs Mann arbeitete bei der Helvetia Versicherung und war mit Brokern aus Hamburg befreundet – ursprünglich Kunden der Helvetia. Sie besuchte also diese Broker in Deutschland und erhielt Einblick ins Geschäft. Schliesslich entschied sie, selbstständig als Brokerin weiterzumachen.

Vielerlei Herausforderungen im Wallis

Antoinette Elsig war schon immer eine Frauenrechtlerin, «hockte nie aufs Maul». Wenn sie irgendwo eine Ausbeutung sah, muckte sie auf. Sie verstand nicht, wie die anderen Frauen sich etwas von den Männern gefallen liessen. Sie meint: «Ich wollte es anders machen. Aber es war hart. Ich war ja keine Walliserin. Ich hatte Militärdienst geleistet und eine gute Ausbildung.» So fiel sie auf – und aus dem Rahmen. Über die Exotin wurde bald auch schlecht geredet. Aber sie biss sich durch und hatte Erfolg. Mit ihrem Erfolg kam aber auch die Eifersucht ihrer männlichen Brokerkollegen.

Die Kämpferin in der Männerdomäne

Damals im Wallis war es alles andere als üblich, als Frau diesen Beruf auszuüben. Frau Elsig erzählt: «Ich musste laufend mit Vorurteilen kämpfen. Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich mit meinen Kunden ein Techtelmechtel anfangen müsse, um sie zu beraten und mit ihnen Verträge abschliessen zu können. Mein Mann hat den ganzen Trubel mit Humor genommen.» Auch an den Versicherungs- und Brokerseminaren gab es damals praktisch keine Frauen. Sie bemerkt: «Und wenn es Frauen gab, dann mussten sie sich schön machen. Mir taten sie leid, vielleicht waren sie sogar aufeinander eifersüchtig. Das machte sie abhängig von den Männern.» Die ganzen Machtspiele setzten Antoinette zu – aber sie kämpfte sich durch. «Wir Frauen sollten doch unabhängig sein. Das hat nichts mit Politik zu tun, das ist kulturell. Und zum Glück hat sich das in der Zwischenzeit längst geändert – Frauen sind in diesem Beruf keine Seltenheit mehr.»

Voller Einsatz für ihre Kundschaft

Antoinette Elsig redet viel mit ihrer Kundschaft – und viele kommen auf sie zu. Sie erinnert sich an die Anfänge: «Ich redete meist mit den Frauen. Ich ging nie mit den Männern, schon gar nicht ins Restaurant für den Abschluss eines Versicherungsgeschäfts. Ich besuchte die Frauen gegen 11 Uhr, wenn sie am Kochen waren. Ich legte ihnen dar, warum sie die Prämien zahlen, und erklärte ihnen gleich noch ihre Rechte.» Sie rennt gern für ihre Kunden, sie macht das gern – sie mag die Menschen. Allerdings arbeitet sie nur mit Menschen, mit denen sie gut auskommt. Heute kann sie sich ihre Kunden aussuchen.

Guter Rat an die anderen Vertriebspartner

Antoinette Elsig weiss, worauf es ankommt im Business: Es brauche eine Verkaufsader und man müsse die Menschen gernhaben. Es brauche aber auch Vielseitigkeit. «Nicht jeder Mensch ist gleich! Man muss den Weg finden zum Menschen, um herauszufinden, wie er tickt», sagt sie. Und das brauche eben auch Zeit. Sie ergänzt: «Üben Sie sich in Geduld! Es ist ein langsames Geschäft! Man muss sich Zeit nehmen für die Kunden. Das geht nicht in 5 Minuten. Du musst nie sagen: ‹Du musst das wollen›.» Es sei besser, erst abzutasten, erst dann «in die Seele» zu gehen. Weiter weiss Frau Elsig: «Du musst nicht etwas verkaufen wollen, sondern etwas vermitteln. Der Kunde braucht eine andere Sichtweise.»

Zeit für Gespräche, Zeit für Betreuung

Heute sei der Druck zu hoch, das Tempo zu hoch, weil ja nur möglichst viele Abschlüsse zählen. Das finde sie nicht mehr seriös, meint die pflichtbewusste Grande Dame aus dem Wallis. Genauso wie sie sich Zeit nimmt im Gespräch, nimmt sie sich auch Zeit für Geburtstagskarten – eine Aufmerksamkeit für die Kunden und deren Familienangehörige, die sich auszahle. «Alle meine Kunden inklusive Ehegatten und Kinder erhalten eine Karte zum Geburtstag. Meine Enkelin ist Künstlerin und macht die Karten für mich. Das kommt immer gut an!»

Geschichten, die das Leben schreibt

Es gibt eine Kundengeschichte, die Antoinette Elsig bis heute geprägt hat. «Der Fall bereitet mir jetzt noch Unbehagen», gibt sie zu. Dabei ging es um ein Ehepaar, das sie betreute. Die Versicherungstätigkeit als solche stand nicht im Vordergrund, sondern das ganze Drumherum. Das Ehepaar, das viel gespart hatte für «später», starb nämlich genau auf die Pensionierung hin. «Beide wollten es schön haben im Alter. Und beide erkrankten an Krebs», berichtet Antoinette. «Ich hatte sie ideal mit der Vorsorge aufs Alter vorbereitet, aber leider hatten sie nichts davon. Schade, sind sie nicht gereist mit all dem Geld.»

Vorsorge für die ganze Familie

Der Mann erkrankte kurz nach der Pensionierung an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Frau Elsig besuchte ihn drei Tage vor seinem Lebensende im Spital. Ein Jahr später kam der nächste Schock: Auch seine Frau lag im Sterben, ebenfalls mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Antoinette besuchte auch sie im Spital – und erzählte einen Witz nach dem anderen. Denn die Frau wollte lachen, den Kummer vergessen. «Ihre Kinder und Grosskinder sind weiterhin in meiner Betreuung. Und jedes Mal, wenn ich sie wiedersehe, kommen die ganzen Erinnerungen hoch», erzählt sie. Die Kinder erhielten das Geld und waren nicht unglücklich. Sogar die Enkel hätten noch profitiert: Dank der Vorsorge der Grosseltern hatten sie die Möglichkeit, ein Haus zu kaufen.

Offen und dynamisch bis ins hohe Alter

Seit wenigen Jahren geht Antoinette in den Tanzkurs von Pro Senectute. Sie tanzt zum ersten Mal in ihrem Leben, früher habe sie das nie interessiert. Sie übt sich in Salsa und Folkloretänzen. Die Idee von Pro Senectute war, dass die Senioren beim Tanzen den Kopf benutzen. Für Frau Elsig aber ist es das Gegenteil. «In der Freizeit möchte ich meinen Kopf eher entlasten, ich benutze ihn genug bei der Arbeit», schmunzelt die energische Dame. Ihr Einstand in der Gruppe war speziell: «Im Kurs habe ich von Anfang an gesagt, wie es um mich steht: Ich bin soundso alt, zweimal geschieden und arbeite immer noch 100%!»

Sozialkompetent auch in der Freizeit

Diese offene Ansage habe eine erstaunliche Wirkung gehabt. Es zeigte sich, dass die anderen Seniorinnen frustriert waren, weil sie in der Gruppe in all den Jahren nie über ihre persönliche Lage geredet hatten. Sie erklärt: «Nach dem Tanzen kommen alle Mitglieder zu mir zwecks Apéro und entspannten Beisammenseins und jeder bringt, was er will.» Sie freut sich: «So können alle kommen, keiner muss eine Ausrede finden, weil er kein Geld hat.»

Eine Nase für gute Geschäfte – und fürs Kochen

Antoinette Elsig tanzt und reist gerne, liebt aber auch das Kochen. «Und zwar nicht nur traditionelle Schweizer Küche!», ruft sie aus. Jedes Jahr vor Weihnachten bereite sie eine «Mousse de Jambon» nach einem Rezept von Paul Bocuse für ihre Kundschaft zu. Die zwischenmenschlichen Beziehungen seien ihr wichtig. Elsig meint: «Nichts Schöneres als ein Treffen mit netten Leuten und spannenden Gesprächen!»

Pax bedankt sich herzlich bei Frau Elsig für das spannende Interview.

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